He, komm mal, das musst du sehen.

Was denn?

Hier, das Video. Gerade entdeckt, Zufall, war auf der Startseite. Schau mal…

Krähen?

Ja, warte, ich starte es nochmal. Hier: Krähen bei der Taubenjagd. Hat irgendjemand in der Stadt gefilmt.

Hier?

Ja, sag ich doch, siehst du nicht, das Münster. Und da die Nester der Krähen in den Platanen, fast ausschliesslich aus Abfall, Plastiktüren, Strohhalmen, Papier. Und jetzt die Tauben, die über den Platz wackeln und wohl Nahrung suchen…

Krass, eine ganze Horde Krähen, die gehen ja mal rüde auf die paar Tauben los, als würden die ihnen alles wegfressen, na, die haben wohl einen ziemlich gut ausgeprägten Territorialsinn. Schau mal, diese plumpe Taube hat kaum eine Chance gegen…

Sie stürzen aus den Bäumen und von den Dächern der Häuser, die den Platz begrenzen. Ihr Sprung wird von den schnell ausgebreiteten Schwingen aufgefangen, knapp vor dem Boden der erste Flügelschlag und ein Schrei. Sie kommen aus verschiedenen Richtungen. Gleiten an den Bäumen und Bänken und Beinen der Passanten vorbei. Bäumen sich über der Taube auf, ihre aufgestellten Flügel, Federn gespreizt bremsen den Flug. Den Kopf nach unten, damit sie schnell angreifen können. Alles geht blitzschnell.

Wir kriegen sie!

Die Taube wirkt hektisch. Ihre etwas zu kurzen Flügeln flattern schnell, um den plumpen Leib davon zu tragen. Sie steigt zügig auf und gewinnt für einen Moment Abstand. Die Krähen schießen gerade aus weiter und kehren in einem ausladenden Schwung um. Die Taube ist inzwischen aufgestiegen, ihr Flug strebt den beiden Türmen des Münsters entgegen. Dort hat sie wohl einen Unterschlupf, ein Loch in der Mauer, ein Versteck. Die Krähen jedoch haben gekehrt und kommen ihr mit kraftvollen Schwüngen nach.

Wir kriegen sie. Die haben da oben sicher ein Nest. Ein Versteck. Aufstöbern. Ihr beiden links. Wir hier rechts an ihr vorbei. Ihr fliegt unter ihr durch und sperrt ihr den Weg zum Turm ab. Schnell, bevor sie sich in dem Schnörkelgewirr verstecken kann. Achtung, die fliegt schnurstracks… Ja! Schnabelattacke! Sie fällt ab. Haltet sie euch, nein, sie lässt sich in den kleinen Turm da fallen. Da kommen wir nicht rein. Sturzflug! Da, wir haben sie.

Puh. Die zerfetzen das arme Vieh noch in der Luft. Mann, wie viele sind das? Zehn, mindestens zwölf! Jetzt fliegen die Federn. Die sind schon am Boden. Da, da kommen noch mehr und hacken auf der Taube rum, oh Gott, das ist ja ganz schön grausam, da spritzt Blut: Was für ein Sadist hat denn das gefilmt und hier reingestellt?

Dieser Zettel klingt recht hart, das wäre eine Katastrophe, wenn wir hier diese Seuche bekämen!

Karin sitzt Michael am Esstisch gegenüber. Dieser hat gerade eine Gabel voll Geflügelsalat in den Mund geschoben und kaut nun schweigend weiter. Er schaut kurz Karin an, dann senkt er den Blick, während an seiner linken Schläfe eine kleine Ader anschwillt. Erst mit leerem Mund antwortet er.

Karin, wir haben sie schon. Wenn wir Glück haben, können wir sie eindämmen, bevor sie für uns ansteckend wird.

Micha, jetzt hör auf. Ich bin im sechsten Monat, ich hab jetzt echt keinen Bock auf…

*Drnnng*

Ich geh. — Ja?

Hallo Karin, hier ist Thomas. Hast du schon von der Seuche gehört? Sicher, klar, du arbeitest ja im Spital. Dann weißt du ja Bescheid. Eine schlimme Sache, aber wenn ich ehrlich bin, hat sich das angekündigt. Zwischen Istanbul und Rom lagen auch mehrere kleine Zentren, von denen aber kaum einer Notiz genommen hat. Jetzt sind halt wir dran…

Ähm, Thomas, ich… wir…

Du, weshalb ich anrufe. Der Chef hat mich damit beauftragt, von der Seuche und den Notfallprogrammen zu berichten. Die Zeitung wird vielleicht eingestellt für die Zeit der Seuche. Aber sie wollen das Blog wiederbeleben, den ich für die EM damals aufgesetzt hatte. Damals war’s ihnen zu teuer, na immerhin jetzt…

Ja, schön, das freut mich ja für dich. Nun, nachdem die Sachen im Beruf bei dir die letzten Monate nicht so…

Ja und stell dir vor: Ich soll direkt von der Front berichten. Kranke interviewen, von der Umsetzung der Notfallprogramme berichten, Firmen, öffentliche Einrichtungen, wo läuft noch was, Leute am besten daheim besuchen, wie läuft die Versorgung, Metzger, Schlachtereien, Gärtnereien, die Chemiefirmen abklappern, Impfstoffe vorstellen, Kontakt zu ehemaligen Zentren…

Du, ich meine… das ist schon riskant, oder?

Klar ist das riskant. Aber erstens lassen sie mich so mein Baby wieder aufbauen, und zweitens glaube ich echt, dass das was Gutes ist. Und wir haben sehr gute Schutzmechanismen. Das ist…

Also Thomas, wenn ich an mein Baby denke, an mein reales Baby, dann hört sich das ein bisschen nach Katastrophenvoyeurismus an, zumal diese… 

Nein! Eben kein Katastrophenvoyeurismus: Seriöse Berichterstattung. Von dort, wo was passiert. Klassischer Journalismus. Recherche. Wahrhaftig beruhigen, so hat das der Chef genannt, und ich finde, da ist ein wahrer Kern dran. Du immer mit deiner… Naja, wie geht‘s dir denn?

Gut, Thomas, danke, in letzter Zeit ein bisschen angeschlagen, eine leichte Erkältung, die aber immer…

Keine Vogelgrippe??? — Spaß! Dann mal gute Besserung. Du, ähm, das Wichtigste: Ich persönlich vermute ja mal, dass wir hier diese Seuche kriegen. Ich habe vom Chef zwar eine Sonderration Tamiflu®, aber ich glaube, dass wir uns die nächste Zeit nicht sehen werden. Ich werde vermutlich öfter Kontakt zu Kranken haben und will dich und den Kleinen auf keinen Fall anstecken.

Ja, klar, das ist schon in Ordnung. Lass uns telefonieren, und Thomas, wir essen jetzt fertig. Bis dann.

Was zu beachten ist

20. Mai 2009

An die Bevölkerung

Geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger

Aufgrund eines Falles von Übertragung der Vogelgrippe auf den Menschen, der gestern aus unserem städtischen Krankenhaus gemeldet wurde, sprechen wir eine dringende Warnung aus. Gemäss des Internationalen Pandemischen Warnsystems haben wir es hiermit mit der Phase 4 der Pandemischen Warnperioden zu tun: Wir gehen davon aus, dass in unserer Gegend Tiere am H5N1-Virus oder einem Subtypus davon erkrankt sind. Die Vogelgrippe ist vielleicht von Mensch auf Menschen übertragbar. Um dieser Gefahr vorzubeugen, halten Sie sich bitte an folgende Regeln:

  • Hören Sie regelmässig Radio, insbesondere regionale Sender und schauen Sie sich zu jeder vollen Stunde die Nachrichten auf den staatlichen Fernsehprogrammen an, um über mögliche Veränderungen der hier beschriebenen Maßnahmen unterrichtet zu sein. Lesen Sie unbedingt täglich eine regionale Tageszeitung.
  • Halten Sie sich auf alle Fälle an jede Anweisung von Seiten staatlicher Institutionen und Personen sowie der Polizei und der Einsatzkräfte von Militär und Katastrophenschutz.
  • Halten Sie sich von Tieren, insbesondere von Vögeln fern. Schließen Sie die Fenster und achten Sie darauf, dass Sie nicht mit Exkrementen von Tieren, Federn oder anderem in Kontakt kommen.
  • Halten Sie Abstand von kranken Mitmenschen. Sofern Sie von Erkrankungen wissen, meiden Sie die Person. Sofern Sie sich in der Öffentlichkeit aufhalten, achten sie auf auffällige Symptome (trockener Husten, rote Flecken, bleiche Haut, Schweißausbrüche) bei anderen und halten Sie unbedingt Abstand, benutzen Sie bestenfalls in der Öffentlichkeit Schutzmasken und Schutzhandschuhe. Vermeiden Sie unbedingt Händeschütteln, gebrauchte Tassen, Gläser, Teller, jeglichen Austausch von Körperflüssigkeiten mit Fremden, gemeinsame Nutzung sanitärer Anlagen oder Schwimmbäder.
  • Meiden Sie den öffentlichen Verkehr. Meiden Sie Veranstaltungen, schicken Sie Ihre Kinder nicht zu Ansammlungen mit anderen Kindern oder Menschen. Arbeiten Sie zu Hause, sofern das den Richtlinien Ihres Arbeitgebers entspricht. 
  • Intensivieren Sie Ihre körperliche Hygiene. Waschen Sie regelmässig die Hände. Fassen Sie nichts an, was mit Tierausscheidungen beschmutzt oder in Kontakt gekommen sein könnte. Gehen Sie nach notwendigen Einkäufen oder anderen Aufenthalten in der Öffentlichkeit zu den bereitstehenden Desinfektionsanlagen. Achten Sie darauf, möglichst alle Wege zu Fuss oder im eigenen Fahrzeug zu unternehmen.
  • Die Arbeit bei den privaten und öffentlichen Arbeitgebern wird bis auf Ausnahmen wie gewohnt weitergehen. Achten Sie trotzdem auf höchsten Schutz und folgen Sie den Anweisungen Ihres Arbeitgebers zur Erhöhung der Sicherheit, insbesondere wenn Sie in einem besonders gefährdeten Bereich arbeiten (Pflege, Soziale Dienste, Verkauf). Arbeitende in kritischen Berufen werden innerhalb der nächsten Tage vorsorglich geimpft.
  • Bedenken Sie, dass alle Krankenhäuser und Arztpraxen auf den Notfall eingestellt sind. Begeben Sie sich sofort an eine der entsprechenden Stellen, sobald Sie eines der folgenden Krankheitsmerkmale an sich oder anderen wahrnehmen: Extrem hohes Fieber, Husten, Atemnot, Halsschmerzen, teils auch Durchfall, seltener Bauchschmerzen und Erbrechen. Im weiteren Krankheitsverlauf treten sehr oft auf: Lungenentzündung, Magen-, Darm- oder Leberbeschwerden
  • WARNUNG: Als das gängige Grippemittel wird Tamiflu® angesehen. Nach gegenwärtigen Erkenntnissen hilft das Mittel weder präventiv noch nach Ausbruch der Krankheit. Nehmen Sie NUR Medikamente, die Sie von Ihrem Arzt oder im Krankenhaus verschrieben bekommen haben. Hamsterkäufe, Betrug oder gar Diebstähle, die in Zusammenhang mit Tamiflu® stehen, werden mit empfindlichen Strafen verhängt (siehe Notfallstrafverordnung).
  • Besorgen Sie sich von den entsprechenden Ausgabestellen in Ihrer Nähe folgende Schutzmassnahmen für längere Aufenthalte im öffentlichen Raum: Desinfektionsmittel, Einwegoverall, eine die Haare vollständig abdeckende Kopfbedeckung (z. B. Kapuze des Einwegoveralls), flüssigkeitsdichte, desinfizierbare Schutzhandschuhe (nach EN 374), Atemschutzmaske mit hoher Abscheideleistung (ABEK 2 Hg; P3-Filter nach EN 141).
  • Wenn Sie unter freiem Himmel oder gar in der Nähe von Tieren arbeiten (Baugewerbe, Landwirtschaft, Reinigungsdienste), bedenken Sie bitte Folgendes: Bei Verwendung von partikelfiltrierenden Halbmasken FFP3 ist ein Augenschutz in Form einer eng anliegenden Schutzbrille mit Seitenschutz erforderlich. Bei schwerer körperlicher Arbeit werden auch Partikelfiltergeräte mit Gebläse (TM2P, TM3P) oder eine Atemschutzhaube (TH2P, TH3P) empfohlen. Die Übergänge vom flüssigkeitsdichten Overall zu Stiefeln, Handschuhen und Maske sind in geeigneter Weise mit Klebeband abzukleben.

Bei den oben genannten Maßnahmen handelt es sich um Vorsichtsmaßnahmen. Bisher wurde noch keine Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch festgestellt. Dies möchten wir auch weiterhin unter allen Umständen vermeiden.

Ihre Stadtverwaltung

www.bundesamtfürgesundheit.xy

Der Auftrag

19. Mai 2009

Thomas steigt die Treppe zu den Redaktionsbüros hinauf. Er tut das nicht sonderlich schnell und ohne größeren Elan. Er hat eine Tasche über die Schulter gehängt, in der sich der Form nach zu urteilen sein Laptop befindet. Er hat sich am Morgen nicht rasiert und sieht insgesamt etwas verschlafen aus, als er die Tür zu dem Großraumbüro öffnet, in dem sein Schreibtisch steht: Hinten am Fenster, vor dem in regelmäßigen Abständen fünf Straßenbahnlinien verkehren. Er passiert gerade das durch eine Glaswand abgetrennte Büro seines Chefredakteurs, als dieser ihn zu sich ruft. Er winkt in dem Moment, als Thomas den Kaffeeautomaten fixiert, als er schon in seinen Taschen nach Kleingeld sucht und nur kurz aufschaut, ohne Grund, genau in die bestimmt bestimmende Geste seines Chefs. Thomas nickt, lässt sich einen Kaffee heraus und betritt das Büro. Er setzt sich auf den Stuhl vor dem Schreibtisch und erwartet eine Standpauke, vielleicht sogar eine Kündigung, in jedem Fall aber eine Intensivierung seiner Demütigung.

Thomas, erinnerst du dich noch an dein Stadtblog von letztem Jahr?

Ja, warum, ich…

Ich würde das gerne reaktivieren, sind Struktur und Dateien noch vorhanden?

Äh, eigentlich hat sich um die technische Seite Stefan gekümmert, aber…

Dann frag ihn bitte danach. Ansonsten soll er nochmal ein Blog in dem Stil aufsetzen, länger als einen Tag dürfte das ja nicht dauern. Hast du heute schon Nachrichten gehört?

Ähm, wenn ich ehrlich bin, nein… Sag mal, was willst du von mir? Mach‘s kurz, wenn du mich rausschmeißen willst!

Falsche Fährte. Im Krankenhaus liegt ein Patient, bei dem man die Vogelgrippe vermutet. Die Regierung wird morgen ein Warnschreiben an alle Haushalte der Stadt und vorerst der näheren Umgebung verschicken, in dem die Leute vor dieser Grippe gewarnt werden. Ich…

Ach was!

Und wie. Wir werden dein Stadtblog reaktivieren und als eine Art Seuchenblog aufziehen, einerseits mit den neuesten Informationen, andererseits mit Hintergründen, Reportagen, Interviews, mit allem, was sich machen lässt. Die Regierung ruft explizit zur intensiven Nutzung regionaler Medien auf. Ich vermute also, so etwas könnte sinnvoll sein. Außerdem müssen wir sicher gehen: Wenn diese Pandemie wirklich hier ausbricht, was wir nicht hoffen wollen, kann es sein, dass wir die Redaktionsräume schließen müssen, vielleicht sogar die Produktion der gedruckten Zeitung für einige Zeit einstellen. Da wäre eine gut aufgegleiste Online-Infoseite nur über die Grippe nicht schlecht. Was meinst du?

Natürlich, warum nicht? Und du willst mich nicht rausschmeißen?

Thomas, weißt du, wie hoch unsere Auflage in den letzten Wochen war, als die Sache mit dem Politiker gekocht hat?

Nein.

Hoch, sehr hoch. Dass dein Ruf etwas ramponiert ist, nun, in Journalistenkreisen kannst du dich die nächsten Wochen nicht mehr blicken lassen. Aber dieses Blog ist die perfekte Möglichkeit, deinen Ruf wieder ein bisschen aufzupolieren. Und wenn die Grippe kommt, dann hat die Geschichte eh jeder schnell vergessen.

Hm.

Noch nicht so fit heute, ha? Also, pack das Ding an, damit wir das morgen aufschalten können, sobald alle Haushalte diesen Warnbrief haben, ok?

Ok!

Warnungen

18. Mai 2009

[Stadt] Wie das Bundesamt für Gesundheit heute Nachmittag mitteilte, wurde gestern Abend ein fünfzigjähriger Mann mit dem dringenden Verdacht auf Vogelgrippe in die städtische Universitätsklinik eingeliefert. Der Mann zeigte die entsprechenden Symptome wie trockenen Husten, schnell steigendes Fieber, eitrige Lymphknoten. Im Verlauf des Tages ist der bisher unbestätigte Verdacht aufgekommen, dass in der betroffenen Gemeinde außerhalb der Stadt noch weitere Menschen erkrankt sind. Sollten sich die Fälle bestätigen, handelt es sich um die erste Übertragung der Tiergrippe auf den Menschen in unserer Region.

Wie die Grippewellen in anderen Gebieten und zuletzt in Rom gezeigt hatten, arbeiten im Epidemiefall die internationalen und nationalen Behörden nach einem verbindlichen und vorbildlichen Notfallplan, der die Ausbreitung weitgehend einzudämmen vermag. Ob und wann die Notfallpläne von Regierung und Unternehmen in Kraft treten, entscheidet sich in den nächsten Tagen. Wir halten Sie auf dem Laufenden.

Achten Sie aber bereits jetzt darauf, den Kontakt zu Vögeln und kranken Menschen allgemein zu verhindern. Achten Sie ferner auf die entsprechenden Symptome bei sich und in Ihrer Umgebung. Grundsätzlich sollten Sie sich nicht an Menschenansammlungen begeben und nach jedem Kontakt zu Dingen außerhalb ihrer Wohnung die Hände waschen.

Die Regierung hat vorsorglich die vierte Pandemische Warnstufe ausgerufen. Dem nach werden ab sofort öffentliche Einrichtungen wie Schulen, Bäder und Ähnliches geschlossen, um der Gefahr der Ausbreitung des Virus entgegenzuwirken. In den nächsten Stunden erfahren Sie mehr über die Homepage des Bundesamts für Gesundheit und hier auf unserem Sender.

Der Krisenstab

17. Mai 2009

Guten Tag meine Herren,

Die meisten von Ihnen werden durch meine Arbeit als Regierungsärztin mich kennen, ich bin Dr. Maria T. und kraft meines Amtes vom Gesundheitsministerium als Vorstehende des hiesigen Krisenstabs ernannt worden. Ich begrüße Sie hier herzlich zu unserer ersten Sitzung aus gegebenem, zugegeben recht traurigem Anlass.

Wir werden uns in den nächsten Monaten darum kümmern müssen, den Ausbruch der Vogelgrippe in unserer Stadt und Umgebung in Griff zu bekommen und, das sage ich bewusst so, mit einem ruhigen Händchen zu managen. Das ist unsere Aufgabe, wir sollten sie besonnen angehen.

Ich begrüsse auch für das Protokoll die Kollegen, Herrn Polizeipräsident, Kollege Chefarzt vom Städtischen Krankenhaus, den Kollegen Vorsitzender der Entsorgungsbetriebe, den Kollegen von den städtischen Energiebetrieben, die Referenten für Verkehr und Bildung, sowie den stellvertretenden Bürgermeister.

Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Lage zu beachten und auf Veränderungen der Seuche zu reagieren: Wir geben im Auftrag der WHO die jeweiligen Pandemiestufen als verbindlich bekannt. Dazu müssen wir uns jeden zweiten Tag treffen und darüber regelmässig absprechen.

Wir werden gemeinsam und dann mit den entsprechenden Stellen die Arbeit des Katastrophenschutzes koordinieren und dafür sorgen, dass die Bevölkerung über die notwendigen Schritte rechtzeitig und in angemessenem Umfang informiert wird.

Alles weitere ergibt sich aus der Situation, vor die wir in den nächsten Tagen und Wochen gestellt werden. Für den Moment haben wir die ersten Schritte einzuleiten, und aus meiner Sicht stellen sich diese wie folgt dar:

1. Wir müssen alle öffentlichen Einrichtungen, die für die eine Ausbreitung der Krankheit befördern könnten, schließen: Schulen und Kindergärten an erster Stelle, dann Bäder und Sportanlagen. Für den Moment lassen wir den öffentlichen Verkehr unangetastet, sollten und aber eine Einschränkung desselben bei einer weiteren Ausbreitung der Vogelgrippe in Erwägung ziehen.

2. Wir müssen die Bevölkerung über diese Maßnahmen informieren und die wichtigsten Verhaltensregeln kommunizieren, die von der WHO für Epi- und Pandemiefälle vorgegeben sind. Das ist schon eingeleitet, Sie haben einen Entwurf für ein Schreiben an alle Einwohner vor sich liegen.

3. Wir werden heute überlegen und entscheiden, wie wir die öffentliche und mediale Situation gestalten werden. Ich habe in einer Stunde einen Termin mit dem Herausgeber der hiesigen Zeitung, um mit ihm den Informationsauftrag seines Blattes zu besprechen.

Soweit fürs Erste, haben, ich würde sagen, wir beginnen mit dem letzen Punkt, falls Sie keine weiteren Fragen haben…